Hallo Volker,
erst mal: ich bin kein Banker und war nie einer. Allerdings bin ich im Bankenumfeld tätig...
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Denn: Warum hat die Bankenbranche nicht von vornherein auf ein sicheres Onlinebanking-Verfahren wie HBCI mit Karte gesetzt? [...]
Das ist einfach historisch gewachsen. Zu Zeiten von BTX (später mal als T-Online bekannt) haben die Banken erstmals Online-Banking angeboten. Damals waren die Möglichkeiten (und auch die Gefahren) noch sehr begrenzt, jedenfalls war an Chipkarten und entsprechende Leser noch gar nicht zu denken.
Das ganze hat sich dann etwas verselbstständigt, nach BTX kam das Browser-Banking mit PIN/TAN, denn PIN/TAN war halt einfach schon jahrelang eingeführt. Erst danach kam HBCI mit den neuen (IMHO angemesseneren) Sicherheitsmedien.
Die Aufzählung ist nicht komplett, denn es gab und gibt für Firmekunden noch andere Möglichkeiten, aber mengenmäßig sind das eher Exoten.
Wir haben PIN/TAN also zunächst mal ganz schlicht den Beharrungskräften zu verdanken, die beim Wechsel von einer technischen Plattform (BTX) auf die andere (TCP/IP) ganz einfach das Sicherheitsverfahren übernommen haben.
Dazu kommt noch der Punkt, dass mit PIN/TAN im Browser von überall her Banking gemacht werden kann, mit Karte, Leser und Software nur von einem System aus, bei dem das eben auch installiert ist.
Klar, mittlerweile wird niemand mehr sagen, dass man mit PIN/TAN im Browser überall arbeiten kann, aber damals war das ein echtes Argument. Und selbst heute noch nutzen viele Menschen ihren Rechner am Arbeitsplatz; auch dies geht im Normalfall nur mit PIN/TAN, weil das Anschließen privater Hardware und Installieren privater Software i.d.R. nicht möglich ist (von den Kosten für eine Doppelanschaffung mal zu schweigen).
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Ich denke, die Branche hat schlicht den einfachsten, sprich billigsten Weg gewählt.
So ganz falsch ist das nicht, aber es kommen eben doch noch die o.g. Punkte dazu.
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Die Sicherheitsprobleme werden auf den Kunden abgewälzt. Ich bin selbst beruflich in der IT-Sicherheitsbranche tätig und weiss wovon ich rede. [...]
Wenn du selbst in der Branche bist, weißt du natürlich, dass das so nicht ganz korrekt ist. Das _Verfahren_ PIN/TAN ist auch heute noch sicher. Punkt. (Ein erfolgreicher MITM-Angriff ist theoretisch möglich, aber der Aufwand für einen echten MITM-Angriff, also mit DNS "verbiegen" etc. dürfte in keinem Verhältnis zum Erfolg stehen).
Die Sicherheitsprobleme resultieren im Wesentlichen auf Kundenleichtsinn (Phishing-Mails) oder einem geradezu abenteuerlich unsicheren Betriebssystem (Windows, alle Versionen).
Recht hast du natürlich damit, dass der Normalanwender mit dem ganzen Security-Krempel überfordert ist - wer prüft schon wirklich die Zertifikate einer Webseite?
Gerade darum suchen die Banken ja nach Wegen PIN/TAN sicherer zu machen, sei es über iTAN, mTAN, TAN-Generator, eTAn und was weiß ich nicht alles noch...
Dadurch ist das Verfahren längts nicht mehr so "billig", aber es ist immer noch einfacher zu verstehen (und zu erklären!) als HBCI...
Mit der qualifizierten Signatur beschäftigen wir uns übrigens auch und glaube mir, das Signaturgesetz hält leider an einigen Stellen durchaus praxisferne Pferdefüße bereit... Lassen wir uns mal überraschen, wie da weitergeht.
Gruß
BW