banking4w unter ubuntu

playonlinux Einstellungen

 
Samuel192
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: 27.03.2026 - 19:51 Uhr  ·  #741
Zitat geschrieben von Kassensturz

Nach jedem B4 Update musste ich das wiederholen, weil die Dateien auch erneuert werden.
Ok, das ist ein guter Punkt. Dann macht es natürlich mehr Sinn, die Schrift einmalig zu installieren 👍
hbciuser
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: 27.03.2026 - 20:34 Uhr  ·  #742
Ist ja spannend hier :-)

Zitat geschrieben von Stefan193

Da wine per gnutls über sein Linux kommuniziert und dies wiederum mit der Außenwelt über openssl, wird diese Kommunikation (hier banking4 in seinem prefix) über eine Verbindungsschicht (GnuTLS-OpenSSL-Wrapper - meist über das Paket "libgnutls-openssl.." ) zu openssl geleitet.

An diesem Punkt ist mein Verständnis ein anderes: libgnutls-openssl ist ein Wrapper, um Programme, die die openssl-API benötigen, an GnuTLS zu bringen. Der Wrapper ist aber eher traurig / unvollständig und daher nicht wirklich zu gebrauchen.

Zum Hintergrund: openssl war historisch lange vor GnuTLS und die machen final beide das gleiche. GnuTLS ist ein MeToo-Produkt und entstand u.a. aus lizenztechnischen Gründen (für einige Radikale ist die openssl-Lizenz Apache 2.0 vs. GPL 3/LGPL 2.1 böse). Einige radikale Distris wie Debian brauchen daher diesen libgnutls-openssl workaround, da wine teilweise eben auch auf openssl basiert und dort kein openssl vorhanden ist. In openSUSE z.B. ist der üble Workaround nicht nötig, weil openssl als Standard vorhanden ist.

Dass man bereits durch eine nicht vorhandene Datei einen anderen default priority string erzwingen können soll, ist schon schräg. Habe mich schon gewundert, was in der Datei stehen soll - die gibt es auf openSUSE (Leap 16 z.B.) schlicht nicht. Ob diese Hacks auf openSUSE überhaupt nötig sind konnte ich nicht testen, da ich keine TLS 1.3 Ziele habe.
Ich habe es mal mit atruvia getestet mit der Umgebungsvariable
GNUTLS_SYSTEM_PRIORITY_FILE=/etc/gnutls/gnutls.conf
und konnte nachvollziehen, dass sie greift - danach ging gar nichts mehr in Sachen SSL - selbst TLS 1.2 ging nicht mehr:
GnuTLS error: Die Anfrage ist ungültig.
Dabei ist völlig irrelevant, ob die Datei vorhanden ist oder nicht und ob sie einen sinnvollen Inhalt hat (wie weiter oben vorgeschlagen) oder nicht.

Naja, ich nutze kein Banking4 - von daher ist mir das egal. Ich bevorzuge native Programme. Aber interessiert hat mich es trotzdem :-).
vnt
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: 27.03.2026 - 21:54 Uhr  ·  #743
Guten Abend,
zum Thema GnuTLS: unter Linux Mint 22.3 (Ubuntu 24.04) wird die GNU TLS Laufzeitbibliothek über das Paket libgnutls30t64 bereitgestellt und in diesem Kontext auch die Standardkonfiguration mit nachstehendem Inhalt in /etc/gnutls/config erstellt:
Code
[overrides]
disabled-version = tls1.0
disabled-version = tls1.1
disabled-version = dtls0.9
disabled-version = dtls1.0

Mit diesen Einstelluingen verwendet Banking4 beim Aufruf mit vorangestellem env GNUTLS_SYSTEM_PRIORITY_FILE="/etc/gnutls/config" jetzt TLS1.3.

zum Thema Schriftarten: da Banking4 nativ die Schriftartfamilie Segoe UI für die Darstellung verwendet, habe ich mir diese aus der auf dem Microsoft-Webauftritt zum Download angebotenen offiziellen Windows-11-Installations-ISO-Datei extrahiert und die nachstehenden Schriftarten in meinem Banking4-Winepräfix installiert:
Code
echo "Schriftart Segoe UI wird installiert"
cp QUELLORDNER/segoeui.ttf ~/.Banking4-11.5/drive_c/windows/Fonts/
cp QUELLORDNER/segoeuib.ttf ~/.Banking4-11.5/drive_c/windows/Fonts/
cp QUELLORDNER/seguiemj.ttf ~/.Banking4-11.5/drive_c/windows/Fonts/

WINEPREFIX=~/.Banking4-11.5 wine reg add 'HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Fonts' /v "Segoe UI" /t REG_SZ /d "segoeui.ttf" /f
WINEPREFIX=~/.Banking4-11.5 wine reg add 'HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Fonts' /v "Segoe UI Bold" /t REG_SZ /d "segoeuib.ttf" /f
WINEPREFIX=~/.Banking4-11.5 wine reg add 'HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Fonts' /v "Segoe UI Emoji" /t REG_SZ /d "seguiemj.ttf" /f
WINEPREFIX=~/.Banking4-11.5 wine reg add 'HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Fonts' /v "Segoe UI" /t REG_SZ /d "segoeui.ttf" /f
WINEPREFIX=~/.Banking4-11.5 wine reg add 'HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Fonts' /v "Segoe UI Bold" /t REG_SZ /d "segoeuib.ttf" /f
WINEPREFIX=~/.Banking4-11.5 wine reg add 'HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\Fonts' /v "Segoe UI Emoji" /t REG_SZ /d "seguiemj.ttf" /f

Damit werden jetzt sogar die Symbole in der Detailansicht der Protokolle korrekt dargestellt.

Gruß,
vnt
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: 27.03.2026 - 23:10 Uhr  ·  #744
@hbciuser
Vielen Dank für die Rückmeldung. Die Auswirkungen in openSUSE sind schon seltsam, zumal Wine diesen "Hack" ja selber benutzt, um veraltete Algorithmen freizuschalten, damit Programme auf alten Servern laufen können. Das wird in der bcrypt.dll gesteuert in den Zeilen 375-385:

https://github.com/wine-mirror…t/gnutls.c

Der Befehl lautet dort:

setenv("GNUTLS_SYSTEM_PRIORITY_FILE", "/dev/null", 0)

"/dev/null": Setzt den Pfad auf das „Nulldevice“. Da diese Datei leer ist, findet GnuTLS keine restriktiven Systemregeln vor. Nun sind alle Protokolle freigeschaltet, aber seltsamerweise nicht TLS 1.3.
Dieser „Hack“ wird also häufig in Software wie OpenConnect oder Wine verwendet, um Verbindungsprobleme mit alten Servern zu lösen.

Deswegen ist es wichtig, den Vorschlag von @Stefan193 und @vnt in der config Datei umzusetzen. Das funktioniert auch ganz gut. Das kann man mit folgenden Befehl von @Stefan193 testen (je nachdem wo die config Datei steht, muss man den Pfad anpassen):

GNUTLS_DEBUG_LEVEL=2 GNUTLS_SYSTEM_PRIORITY_FILE=/etc/gnutls/config gnutls-cli --priority "NORMAL" --list

Bei mir auf CachyOS war die config Datei schon vorhanden, aber ohne disabled-Befehle, bei manchen Distributionen muss man sie erst erstellen. Bei meinem aktuellen Skript geschieht das alles automatisch einschließlich der disabled-Befehle.

Wenn ich den Befehl mit der Umgebungsvariable (export GNUTLS_SYSTEM_PRIORITY_FILE=~/Pfad zur/config) wieder entferne, wird wie zuvor wieder TLS 1.2 benutzt. Es gibt keinerlei Störungen.

@vnt
Vielen Dank für deinen Beitrag. Die Idee, die Schrift Segoe UI zu benutzen, hatte ich wieder verworfen, weil ich nicht sicher bin, wie das lizenrechtlich aussieht. Wenn man eine Windows Lizenz hat, dürfte das kein Problem sein. Toll ist natürlich, dass dann auch alle Symbole angezeigt werden.
hbciuser
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Gestern um 14:23 Uhr  ·  #745
@winetrouble:
Ich habe auf Basis gnutls-cli mit leerer oder ohne zusätzlicher Konfig getestet. Die Cipher suites und protocols, ... sind exakt identisch. Keinerlei Unterschied.

Erst eine Konfig mit dediziertem Inhalt wirkt sich entsprechend aus:
Code

[overrides]
default-priority-string = NORMAL
disabled-version = tls1.0
disabled-version = tls1.1
disabled-version = dtls0.9
disabled-version = dtls1.0


Die zusätzliche Zeile "default-priority-string = NORMAL" wird bei Leap benötigt, weil es die standardmäßig gesuchte @SYSTEM - Konfig nicht gibt. Daher hat auch mit Konfig-Datei unter Leap ohne diese Zeile zum Fehler "GnuTLS error: Die Anfrage ist ungültig" geführt. Mit dem Debug sieht man da dann vorher:
gnutls[2]: resolved 'SYSTEM' to '', next ''
gnutls[2]: unable to resolve @SYSTEM

Wer also mit openSUSE unterwegs ist, muss die "default-priority-string = NORMAL" in die overrides mit übernehmen. Dann geht banking4 auch mit TLS 1.3 (geprüft via wireshark schon beim Zugriff auf den Hersteller - der vorher nur mit 1.2 ging).

Update:
Die disabled-version - Zeilen kann man sich auch schenken, wenn man es ausschließlich darauf anlegt, an TLS 1.3 zu kommen.

Ganz nebenbei bemerkt:
Banking4 telefoniert mindestens bei jedem Aufruf nach Hause - wenn man das nicht explizit netzwerktechnisch unterbindet.
Stefan193
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Gestern um 18:32 Uhr  ·  #746
Hallo zusammen,
mein bescheidener Senf zu den obigen Erkenntnissen:

Bei meinem frischen Banking-Debian 13 hat(te) die Installation des Pakets libgnutls30t64 offenbar keine Konfig-Datei erzeugt. Wenn die Datei gar nicht oder leer vorhanden ist, nutzt gnutls auf der Linux-Seite nach meinem Verständnis rein wegen der Angabe der vorrangigen Umgebungsvariable für diese Shell das was entweder in der config steht und wenn die es nicht gibt oder dort nix steht dann eben den Priority String "NORMAL" - egal was aus wine rauskommt. Der hat bei meinem Debian 13 aber TLS1.0 und 1.1 im Angebot. Wie das wäre, wenn ich bspw so rumhantieren würde
Code
[overrides]
#Setzt den priority string auf secure128 und schaltet zuerst alle TLS Versionen ab und dann nur 1.2 und 1.3 zu
default-priority-string=Secure128:-VERS-TLS-ALL:+VERS-TLS1.3:+VERS-TLS1.2
hab ich nicht probiert, weil da meine Birne schon zu weich war ;-)

Nach meinem Verständnis müsste mit dem folgenden Abschnitt der priority String @SYSTEM in der config erzeugt werden und gleichzeitig die alten TLS-Versionen etwas rasiert werden können (vorher nachschauen ob nicht noch ältere an Bord sind, die abzuklemmen wären):
Code
[priorities]
#Weist dem Priority String "@System" die Einstellungen von NORMAL zu und schaltet TLS1.1 und 1.0 ab.
SYSTEM=NORMAL:-VERS-TLS1.0:-VERS-TLS1.1


Da ist dann nur bei PS "@System" diese TLS-Einstellung wirksam. Dass Suse das so nutzt wusste ich nicht.

Radikales Ab- und explizites Freigeben einzeln Protokollversionen ginge demnach so:
Code
[priorities]
SYSTEM=NORMAL:-VERS-TLS-ALL:+VERS-TLS1.3:+VERS-TLS1.2


Ich hab die (bei mir vorhandenen) ollen Protokolle deshalb abgeklemmt, weil ich einen theoretisch Downgrade-Angriff minimieren wollte und damit mein Client gar nicht erst die alten Protokolle anbietet. Das kann man weglassen, man sieht dann im Netzwerkverkehr wie erst der Client die alten anbietet und der Server was anderes verhandelt und man sich auf TLS1.3 einigt.

Banking4 ruft erst mal bei Subsembly an weil es nach Updates sucht, so hab ich das interpretiert. Wer das nicht mag, der muss das Häkchen halt in b4 rausnehmen und manuell überwachen.

Ich hab den Verdacht, dass in wine aktuell TLS1.3 absichtlich (noch) abgeklemmt ist. Zu TLS1.2 unterscheidet es sich doch mehr als 1.2 zu 1.1 und so lange nicht alle gegenüber 1.2 geänderten Features von 1.3 in wine komplett umgesetzt sind, kann das Programme ins Wanken bringen, die bspw. längere Zeiträume eine TLS-gesicherte Verbindung aufrechthalten. M.E. vor allem durch alle möglichen Windows-Anwendungen über wine-schannel verlangten TLS1.3 Feature (bspw. andere Verschlüsselung des Handshakes, Post-Handshake-Verhalten, Stichworte Cipher Suite Negotiation und Ticket Handling) . Da B4 "nur" den kurzen Abrufzeitraum hat, kommen manche der potenziellen Stolperstellen m.E. gar nicht erst in Frage und daher klappt's auch mit TLS1.3 und B4.


Beste Grüße
Stefan
hbciuser
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Gestern um 19:43 Uhr  ·  #747
Hallo @Stefan193,

Deine Anregungen / Aussagen haben mich dazu gebracht, mir die Sache spaßeshalber nochmal anzusehen (wie gesagt, ich bin kein Nutzer von B4 - aber an der GNUTLS - Geschichte im Zusammenhang mit wine interessiert. Leider nutze ich das zwangsweise für ein Steuererklärungsprogramm - da könnten ja auch mal derartige Dinge aufkommen). Daher habe ich Deine verschiedenen Vorschläge mal näher betrachtet unter openSUSE Leap 16.

Zunächst: Alle Deine Vorschläge funktionieren auch hier problemlos. Teilweise, weil das Mapping SYSTEM -> NORMAL in der Konfig vorgenommen wird bzw. weil die default priority gleich hart gesetzt wird (Dein erstes Bsp.).

Du hast natürlich vollkommen Recht damit, die alten TLS-Versionen abzuschalten. Das ist auch meine uneingeschränkte Haltung. Deshalb habe ich ja im anderen Post geschrieben "wenn man es ausschließlich darauf anlegt, an TLS 1.3 zu kommen".

Allerdings wirkt die Anweisung SYSTEM=NORMAL:-VERS-TLS-ALL:+VERS-TLS1.3:+VERS-TLS1.2 nicht ganz wie erwartet vermutlich. Das ergibt hier die folgenden Protokolle (GNUTLS_SYSTEM_PRIORITY_FILE=gnutls.cfg gnutls-cli --priority NORMAL --list):

Protocols: VERS-TLS1.3, VERS-TLS1.2, VERS-TLS1.1, VERS-TLS1.0, VERS-DTLS1.2, VERS-DTLS1.0

während die folgende Variante deutlich radikaler ist und evtl. unabhängig von der Distri funktionieren könnte:
Code

[priorities]
# Weist dem Priority String "@System" die Einstellungen von NORMAL zu
SYSTEM=NORMAL

[overrides]
disabled-version = tls1.0
disabled-version = tls1.1
disabled-version = dtls0.9
disabled-version = dtls1.0

Protocols: VERS-TLS1.3, VERS-TLS1.2, VERS-DTLS1.2
Stefan193
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Gestern um 19:54 Uhr  ·  #748
Zitat geschrieben von hbciuser

....
Allerdings wirkt die Anweisung SYSTEM=NORMAL:-VERS-TLS-ALL:+VERS-TLS1.3:+VERS-TLS1.2 nicht ganz wie erwartet vermutlich. Das ergibt hier die folgenden Protokolle (GNUTLS_SYSTEM_PRIORITY_FILE=gnutls.cfg gnutls-cli --priority NORMAL --list):

Protocols: VERS-TLS1.3, VERS-TLS1.2, VERS-TLS1.1, VERS-TLS1.0, VERS-DTLS1.2, VERS-DTLS1.0
....

Ja, der Austausch ist sehr informativ :-)

Probiere doch mal wie es sich verhält wenn Du mit dem Befehl nicht "NORMAL" abfragst sondern "@SYSTEM", also "GNUTLS_SYSTEM_PRIORITY_FILE=gnutls.cfg gnutls-cli --priority @SYSTEM --list". Ich denk nicht, dass mit der Einstellung oben "NORMAL" modifiziert wird.
Ich konnte "NORMAL nicht modifizieren, außer mit dem oben genannten "disabled-version" gezielt einzelne Protokolle abklemmen.
hbciuser
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Gestern um 21:11 Uhr  ·  #749
Hallo @Stefan193,

das wird immer besser! Ich habe mir jetzt mal nur die Einstellungen mit GNUTLS_DEBUG_LEVEL=2 gnutls-cli --priority @SYSTEM --list angeschaut. Und siehe da: Da bekomme ich nur die folgenden Protokolle:

Protocols: VERS-TLS1.3, VERS-TLS1.2, VERS-DTLS1.2

(basierend auf dem System-Konfig-File /etc/crypto-policies/back-ends/gnutls.config - ziemlich große Konfig, die unter [priorities] SYSTEM=NONE setzt und dann über [overrides] alles bis ins kleinste Detail konfiguriert. In [global] wird der override-mode = allowlist definiert - so kommt es zu insgesamt 105 Zeilen). Eigentlich (bezogen nur auf die Protokolle) genau das, wie bei der Variante mit den einzelnen disabled-Einstellungen.

Ja, Du hattest Recht: die Anpassung der Konfig hat via Abfrage NORMAL nicht gezogen. Mit @SYSTEM bekommt man dann:
Protocols: VERS-DTLS1.2, VERS-DTLS1.0, VERS-TLS1.3, VERS-TLS1.2
auch noch nicht die disabled - Variante.

In Summe wird es jetzt immer mysteriöser: Warum geht TLS 1.3 über die eigene Mini-Konfig - aber nicht über die bei Leap vorhandene systemweite Konfig. Absolut strange. Da muss es an einzelnen Einstellungen liegen, die das verhindern, welche in der eigenen, kurzen nicht drin sind (bezogen auf Cipher suites, Ciphers, .. - da gibt es nämlich erhebliche Unterschiede).

Ich habe grade auch mal mit wine-staging-wow64-11.4-lp160.1968.1.x86_64 B4 einfach ohne sämtliche Anpassungen (kein externes dotnet-Framework) out of the box installiert und getestet in einem neuen Prefix. Hat problemlos funktioniert (PIN/TAN-Variante atruvia).

Die Heimtelefonierererei finde ich schon heftig (nein: nogo) - völlig unabhängig davon, ob das in der Datenschutzerklärung steht oder nicht. V.a. wird das ja nicht nur für Update-Zwecke gemacht, sondern auch für Statistiken (z.B. wird die Anzahl der Konten anonymisiert übertragen - kann man jetzt glauben oder auch nicht - die haben überhaupt gar nichts zu übertragen - die Daten gehören mir und ich habe das Programm bezahlt. Punkt). Ja, kann man beides abschalten. Dass beide Einstellungen ein Optout sind, ist für mich absolut unseriös und gehört sich für mich nicht. Damit ist das Vertrauen in den Bereitsteller komplett zerstört. Das ist MS-Niveau bei einer Bankingsoftware. Geht (für mich) gar nicht.
Stefan193
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Gestern um 22:07 Uhr  ·  #750
Hallo @hbciuser,
wow - mit -allowlist hab ich mich noch nie eingehend beschäftigt. Dazu steht eine ganze Menge in der gnutls-Doku. Das beeinflusst auch, wie manche Parameter wirken. Da wird tatsächlich ne Menge konfigurierbar, vieles dazu noch Versionsabhängig,, aber dazu hab ich nicht die Kenntnisse. Deswegen haben die vermutlich auch mal "priority strings" gemacht -> um einen bestimmten Einstellungssatz zusammenzufassen, den man sich dann mit dem default-Parameter konfigurieren kann. Da kommts dann auf priorities (nicht die Einstellungen sondern echte) an und welche Chiphers mit welchen Protokollen und welche Schlüssellängen etc. Puh. Das mach ich nicht, da fehlen mir die Kenntnisse. Und bevor ich mir da irgendein Loch reinkonfiguriere ... nene.

Suse hat da mit 105 lines wohl die ganz große Nummer gezogen und alles extrem explizit auf die Distro zugeschnitten konfiguriert. So wie es vom Projekt in der Doku beschrieben wird.
Du kannst ja "spaßhalber" mal in der config nach "TLS" suchen, welchen starken Zauber die Suse's da abgeliefert haben :-)

Zum "Heimtelefonieren": Ich hab lange mir mir gerungen, welche Software ich nach moneyplex nutzen soll. OpenSource war die ja auch nicht. Dann hab ich mich halt für banking4 entschieden, weil ich mit hibiscus doch nicht warm wurde. Von gnucash oder kmymoney hab ich gleich die Finger gelassen, weil mir an der Stelle der Einarbeitungsaufwand zu groß war und ich rein fürs banking nicht noch ne doppelte Buchführung für unsere paar Kröten machen wollte und dennoch keine Banking-App nutzen wollte und will (von wegen heimtelefonieren ..). An allen Fronten bis ins Detail zu agieren, dazu fehlt mir letztlich die Zeit.
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 08:00 Uhr  ·  #751
Hallo @Stefan193,
ich finde übrigens nicht, dass Du Dich nicht mit Details beschäftigen würdest! Ganz im Gegenteil - wer sich mit Verschlüsselung und GNUTLS (oder openssl) rumschlägt, kann kaum von sich behaupten, er würde sich nicht mit Details beschäftigen :-) - und das meine ich jetzt absolut positiv, v.a. deshalb, weil Verschlüsselung quasi Königsdisziplin ist! Du musst Dich auch keineswegs dafür rechtfertigen, was Du warum einsetzt oder nicht. Das ist Deine Entscheidung, mit der zumindest ich problemlos leben kann. Daher gingen ja meine Anmerkungen auch nicht an Dich sondern an den Bereitsteller (Du warst final nur der Aufhänger, weil ich in diesem Zusammenhang bei der SW genauer hingesehen habe - de facto Beifang, wie man so schön sagt).

Zum Thema:
openSUSE Leap ist eine weitgehend professionelle Distri, die den kompletten Unterbau von SLES erbt. Im Prinzip mittlerweile wie früher CentOS von Redhat. Du kannst Dir die komplette gnutls.conf von Leap 16 hier anschauen. Ist ein RPM-Paket. Das kannst Du z.B. mit dem Midnightcommander anschauen, ohne es zu installieren (mc kann RPMs als virtuelles Filesystem darstellen). Einfach mit return in das RPM rein: CONTENTS.cpio -> /etc/crypto-policies/back-ends/gnutls.config

Das Paket wird mit Hilfe von hier erstellt. SUSE arbeitet da mit - die BSI-Policy wird z.B. von SUSE betreut.

Ich will hier keine Bankingproduktvergleiche machen, weil das hier nicht so gerne gesehen ist - daher äußere ich mich dazu nicht. Gerne in privater Mail, wenn Du möchtest. Da kann ich Dir, wenn Du magst, auch Tipps geben, wie man sich gegen den Abfluss von Daten ganz allgemein "relativ einfach" wehren kann.
Samuel192
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 08:08 Uhr  ·  #752
Zitat geschrieben von hbciuser

Die Heimtelefonierererei finde ich schon heftig (nein: nogo) - völlig unabhängig davon, ob das in der Datenschutzerklärung steht oder nicht. V.a. wird das ja nicht nur für Update-Zwecke gemacht, sondern auch für Statistiken (z.B. wird die Anzahl der Konten anonymisiert übertragen - kann man jetzt glauben oder auch nicht - die haben überhaupt gar nichts zu übertragen - die Daten gehören mir und ich habe das Programm bezahlt. Punkt). Ja, kann man beides abschalten. Dass beide Einstellungen ein Optout sind, ist für mich absolut unseriös und gehört sich für mich nicht. Damit ist das Vertrauen in den Bereitsteller komplett zerstört. Das ist MS-Niveau bei einer Bankingsoftware. Geht (für mich) gar nicht.

Anonyme Nutzungsstatistiken sind für Entwickler wichtig für die Weiterentwicklung und Fehlersuche. Es profitiert also nicht nur der Entwickler davon, sondern alle Benutzer.
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den erhobenen Daten um anonyme Nutzungsstatistiken handelt, die keinerlei Rückschluss auf einzelne Personen zulassen. Es geht also nicht um Überwachung oder Profilbildung, sondern ausschließlich um technische Optimierung und Stabilität der Software.
Ein Opt-In-Verfahren mag auf den ersten Blick datenschutzfreundlicher erscheinen, führt in der Praxis jedoch häufig zu stark verzerrten oder unvollständigen Datensätzen. Gerade bei spezialisierten Anwendungen mit einer vergleichsweise kleinen Nutzerbasis, wie dies eine FinTS-Software nunmal ist, würde dies bedeuten, dass wichtige Fehlerbilder oder Nutzungsmuster gar nicht erst erkannt werden - man könnte mit dieses Daten effektiv kaum noch etwas sinnvolles anfangen. Die Konsequenz wäre letztlich eine schlechtere Softwarequalität für alle.
Hinzu kommt, dass Transparenz und Kontrolle bereits gegeben sind: Nutzer werden informiert und haben jederzeit die Möglichkeit, die Erhebung zu deaktivieren. Damit bleibt die Entscheidungsfreiheit gewahrt, ohne die Funktionsfähigkeit und Weiterentwicklung der Software unnötig zu beeinträchtigen.
In der Abwägung zwischen minimal-invasiver Datenerhebung und dem konkreten Nutzen für die gesamte Nutzergemeinschaft erscheint mir ein standardmäßig aktiviertes, aber abschaltbares System daher als sinnvoller und verhältnismäßiger Ansatz. Jeder, der sich daran stört, kann die Nutzungsstatistiken abschalten oder die Software garnicht erst benutzen.
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 08:52 Uhr  ·  #753
Zitat geschrieben von Samuel192

Hinzu kommt, dass Transparenz und Kontrolle bereits gegeben sind: Nutzer werden informiert und haben jederzeit die Möglichkeit, die Erhebung zu deaktivieren. Damit bleibt die Entscheidungsfreiheit gewahrt, ohne die Funktionsfähigkeit und Weiterentwicklung der Software unnötig zu beeinträchtigen.

Das ist im konkreten Fall eben nicht so: die Nutzer (zumindest im gegebenen Fall bei mir) werden eben nicht informiert (wenn man vielleicht vom Kleingedruckten (Beipackzettel) absieht, was kaum einer liest - was auf Bereitstellerseite bekannt ist und entsprechend genutzt wird). Eine nutzerfreundliche Information ist dann gegeben, wenn der User aktiv um Zustimmung gebeten wird, aka optin, bevor auch nur ein Bit abfließt. Wer dann zustimmt, darf das sehr gerne tun. Alles gut. Aber nicht "hintenrum" (-> ohne aktive Zustimmung mit der Möglichkeit des Users im Moment der Übertragung - wenigstens einmalig) - das geht für mich gar nicht.
Aber wie Du schon selbst schreibst: würde man die Nutzer darauf hinweisen, würden die allermeisten - berechtigterweise - ablehnen. Nenne mir einen einzigen Grund, warum ich dem Bereitsteller vertrauen sollte. Der kann mir viel erzählen wenn der Tag lang ist. Es gibt keinen einzigen. Es gilt die Regel: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Aber selbst der optin-Lösung muss ich vertrauen. Warum sollte der Bereitsteller sich daran halten? Warum sollte ich glauben, dass im konkreten Fall trotz Abschaltung (ist ja nur ein Haken), tatsächlich keine Daten mehr fließen? Wer mir die Nummer aber "hintenrum" unterschiebt, hat bei mir von vorne herein jeden Kredit verspielt, weil er für mein Verständnis nicht mit offenen Karten spielt. So nehme ich das wahr und so wirkt das auf mich. Andere dürfen das gerne anders sehen.
Samuel192
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 09:25 Uhr  ·  #754
Deine Argumentation ist schräg.
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 09:31 Uhr  ·  #755
Wenn Du meinst. Du bist frei. Stört mich nicht im Geringsten. Deine Daten sind ja Deine und nicht meine und kannst daher damit machen, was Du willst. Daher alles bestens.
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 09:45 Uhr  ·  #756
Zitat geschrieben von hbciuser

Wenn Du meinst. Du bist frei. Stört mich nicht im Geringsten. Deine Daten sind ja Deine und nicht meine und kannst daher damit machen, was Du willst. Daher alles bestens.
Ich habe es selbstverständlich ausgeschaltet, bevor Daten geflossen sind. Die Allgemeinheit hat damit allerdings kein Problem und lässt es deswegen aktiviert, was uns allen zu Gute kommt.
Dass es dich nicht stört habe ich verstanden, sonst hättest du ja keine Lizenz gekauft.
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 10:53 Uhr  ·  #757
Zitat geschrieben von Samuel192

Dass es dich nicht stört habe ich verstanden, sonst hättest du ja keine Lizenz gekauft.

Echt - da weißt Du mehr als ich. Dann ließ Dir mal #742 nochmal vollständig durch.
Samuel192
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 11:15 Uhr  ·  #758
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 12:06 Uhr  ·  #759
Nun, ich gehöre noch zu der Sorte Menschen, die auch mal ihren eigenen Dunstkreis verlassen können und Dinge aus einer anderen Sicht betrachten können und sich damit in andere hineinversetzen können und aus deren Sicht heraus argumentieren (was wäre, wenn (z.B. ich betroffen wäre und gezahlt hätte)). Jetzt wird mir auch klar, warum Du meinst, meine Argumentation wäre schräg.

Aus #742 geht meine Motivation für dieses Thema - nämlich rein technischer Natur im Zusammenhang mit wine und GNUTLS - klar hervor. Die andere Geschichte ist Beifang - wie ich in #751 auch schon geschrieben habe.
Samuel192
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Re: banking4w unter ubuntu

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Gepostet: Heute um 13:16 Uhr  ·  #760
Achso, jetzt wird aus einer ganz normalen Diskussionsbemerkung also ein Fall für die große Empathie-Schule. Dann lass es mich für die Galerie noch einmal auf Deutsch sagen: Du kannst das Thema natürlich aus Deiner technischen Perspektive betrachten, dies ändert jedoch nichts daran, dass mein Punkt ein anderer war. Dass du das nicht voneinander trennen willst, ist eher dein Problem als meins. Man kann andere Einschätzungen auch einfach mal stehen lassen und für sich reflektierend prüfen, ohne sie gleich einordnen, widerlegen oder eine ideologische Diskussion starten zu müssen.
Wäre also gut, wenn du nun wieder back to topic übergehst - bis dahin bleibe ich bei meiner Einschätzung.
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