SEPA Lastschrift Format

 
rt
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SEPA Lastschrift Format

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Gepostet: 02.03.2011 - 14:29 Uhr  ·  #1
Hallo,
ich bin gerade dabei unsere Fakturierungssoftware um die Erstellung von SEPA Lastschriftdateien zu erweitern und habe noch ein paar Fragen dazu:

1. Das Format ist ja in der Version pain.008.002.02 prinzipiell so aufgebaut:

CstmrDrctDbtInitn
GrpHdr
PmtInf [1...n]
...
DrctDbtTxInf [1...n]

In der Fakturierungssoftware gibt es einen Creditor, der z.B. einmal im Monat von einigen 100 Debitoren Lastschriften einzieht für Rechnungen, die mehrere Positionen enthalten können. Die Beträge für die Positionen sollen nicht einzeln eingezogen werden, sondern immer der Rechnungsendbetrag.

Ich sehe jetzt 2 Möglichkeiten, das auf die Dateistruktur zu übertragen.
a) 1 x PmtInf für den Creditor + n x DrctDbtTxInf für die n Rechnungen
b) n x PmtInf für n Rechnungen + 1 DrctDbtTxInf für die aktuelle Rg.

Wie wird das üblicherweise gehandhabt? Und welchen Einfluß auf die Verarbeitung, Kontoauszug, Kosten usw. haben die Varianten jeweils.

Darüber zerbreche ich mir schon einige Zeit den Kopf. Bin für jede Antwort dankbar.

Viele Grüße,
Ralph
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Re: SEPA Lastschrift Format

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Gepostet: 03.03.2011 - 13:03 Uhr  ·  #2
Hi Ralph,

das Thema ist noch etwas komplexer, als Du es darstellst.
Nur zur Sicherheit vier organisatorische Anmerkungen:

1. Gläubiger Identifikationsnummer:
Du benötigst von der Bundesbank eine Gläubiger Identifikationsnummer, die dich als Creditor eindeutig identifiziert.

2. Vertragliche Regelungen
SEPA Lastschriften erfolgen auf einer anderen rechtlichen Grundlage als die bisherigen Lastschriften. Du solltest sicherstellen, dass deine Lastschriftvereinbahrung mit der Bank auch für SEPA Lastschriften gültig ist

3. Einzugsermächtigung\Abbuchungsauftrag vs. Mandate
Erstmal benötigst Du von allen deinen Debitoren, von denen Du eine Lastschrift einziehen möchtest ein gültiges Mandat mit entsprechender Mandats ID. Deine bisherigen Einzugsermächtigungen oder Abbuchungsaufträge reichen nicht!

4. Unterstützung des Schema pain.008.002.02 durch die BankDie pain.008.002.02 ist die aktuellste Version des Schemas gültig seit November 2010. Die Unterstützung ist aber noch nicht verpflichtend! D.h. Du musst mit deiner Bank klären, ob sie in der Lage ist das Schema auch zu verarbeiten!

Zum strukturellem Aufbau der SEPA Lastschrift:
Die Unterteilung a) und b) ist aus meiner Sicht in der Formulierung nicht ganz sauber. Ich gehe mal davon aus, dass Ihr die Lastschriften immer nur für einen Creditor einziehen wollt?

Dann müssten die beiden Varianten richtig lauten
Für n Rechnungen

a) 1 x PmtInf + n x DrctDbtTxInf (1:n)
b) n x PmtInf + je 1 x DrctDbtTxInf.(1:1)

a) entspricht prinzipiell also eher einem Sammelauftrag mit n Zahlungen
b) entspricht prinzipiell also eher n Einzelaufträge (die man in eine Datei packt)

Zu den Abhängigkeiten
Ich gehe erstmal davon aus, dass Du nur B2B oder Core Lastschriften in eine Nachricht packst. Dann ergeben sich die folgenden übergeordneten Abhängigkeiten

1. Für jeden Sequenztyp <SeqTp> benötigst Du einen eigenen PmtInf
2. Für jeden Fälligkeitstag <ReqdColltnDt> benötigst Du ebenfalls einen eigenen PmtInf
Das würde für a) und b) bedeuten:
a1) 1 x PmtInf und SeqTp „FRST“ + n x DrctDbtTxInf
a2) 1 x PmtInf und SeqTp „RCUR“ + n x DrctDbtTxInf
.......
Und das auch noch mal alles pro Fälligkeitstag.

Damit das Thema nicht zu einfach wird, musst Du auch noch die unterschiedlichen Vorlaufzeiten bei FRST und RCUR, OOFF + FNAL beachten. Wenn Du die Lastschriften min. 5 Tage + Vorlaufzeit deiner Bank vor <ReqdColltnDt> erstellen und versenden kannst, kannst Du alle Varianten in eine Pain stecken, ansonsten musst Du auch noch mehrere Pains bauen.

b) n x PmtInf + je 1 x DrctDbtTxInf.(1:1).
In der Variante musst Du nur die Vorlaufzeiten beachten, alle anderen Abhängigkeiten hast Du mit der 1:1 Beziehung direkt erledigt.

Welche Auswirkungen das auf Kontoauszug und auf die Kosten hat, wird Dir nur deine Bank beantworten können, da die Verarbeitungs- und Bepreisungsmöglichkeiten hier vielfältig sind.
Tendenziell würde ich davon ausgehen, dass in der Variante b) alle Einzelbuchungen im Kontoauszug auftauchen und alle Buchungen als Einzelposten bepreist werden. Ist aber mehr ein Bauchgefühl, das ich von der Struktur und den vermutlichen Verarbeitungsprozessen ableite.

Wenn deine Bank das unterstützt und Du eine entsprechende Vereinbahrung mit ihr getroffen hast ist für die Variante a) das Element Batchbooking ggf. interessant, mit der man steuern kann, ob die Buchungen als Sammelbuchung oder als Einzelbuchung auf dem Kontoauszug erscheinen soll.

Viele Grüße

Holger
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Re: SEPA Lastschrift Format

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Gepostet: 07.03.2011 - 08:52 Uhr  ·  #3
Hi Holger,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

zu 1., 2., 3. : Ist mir bekannt.

zu 4.:
Der Berater von der Sparkasse hat mir empfohlen, pain.008.002.02 zu implementieren. Es kann natürlich sein, dass nicht alle Banken das schon unterstützen. Aber da das SEPA Format nach meiner Einschätzung für die Anwender unserer Software mehr Nachteile als Vorteile bringt, glaube ich, dass es sowieso noch etwas dauern wird bis sie darauf umstellen. Wahrscheinlich nicht bevor DTAUS nicht mehr unterstützt wird.

Zu den Abhängigkeiten
Die Lastschriften werden immer nur für einen Creditor eingezogen.
Das Fälligkeitsdatum/die Vorlaufzeit wird für alle Lastschriften gleich sein, natürlich abhängig von SeqTp 5 oder 2 Tage.
Warum brauche ich für unterschiedliches Fälligkeitsdatum mehrere Pains?
Kann ich das nicht mit mehreren PmtInfs abdecken?
Ich dachte bisher, dass ich nur für B2B und CORE eigene Pains benötige.

Ein Verständnisproblem habe ich noch mit SeqTp:
Meine Lastschriften sind ja prinzipiell RCUR. Wann muss ich FRST einstellen? Bei der Ersten überhaupt des Creditors? Bei der Ersten jedes Debitors? Bei Änderung der Bankverbindung des Creditors? Bei Änderung der Bankverbindung eines Debitors?

Viele Grüße,
Ralph
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Re: SEPA Lastschrift Format

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Gepostet: 07.03.2011 - 09:24 Uhr  ·  #4
Hi Ralph,

Zitat geschrieben von rt

zu 4.:
Der Berater von der Sparkasse hat mir empfohlen, pain.008.002.02 zu implementieren. Es kann natürlich sein, dass nicht alle Banken das schon unterstützen.

Solange Dir bewusst ist, dass Du -heute- nicht alle Banken damit erreichen kannst, würde ich Dir auch zur Umsetzung gem Vers. 2.5 der Anlage 3 raten (Ich finde den Bezug zur Version der Anlage 3 einfacher als die ganzen Painnummerierungen).

Zitat geschrieben von rt

Zu den Abhängigkeiten
Die Lastschriften werden immer nur für einen Creditor eingezogen.
Das Fälligkeitsdatum/die Vorlaufzeit wird für alle Lastschriften gleich sein, natürlich abhängig von SeqTp 5 oder 2 Tage.
Warum brauche ich für unterschiedliches Fälligkeitsdatum mehrere Pains?
Kann ich das nicht mit mehreren PmtInfs abdecken?

Oh, da ist glaube ich etwas falsch rübergekommen.
Natürlich kannst Du unterschiedliche Fälligkeiten in eigene PmtInfs stecken und in einer Pain versenden. Hier muss die Software nur sicherstellen, dass wenn z.B. eine FRST CORE dabei ist, dass die ganze Pain 5+Vorlaufzeit anstelle von 2+Vorlaufzeit versendet werden muss. Nur wenn die Software das nicht regeln kan (oder es aus anderen Gründen organisatorisch nicht möglich\sinnvoll ist), musst Du die Einzüge in Pains trennen.

Zitat geschrieben von rt

Ein Verständnisproblem habe ich noch mit SeqTp:
Meine Lastschriften sind ja prinzipiell RCUR. Wann muss ich FRST einstellen? Bei der Ersten überhaupt des Creditors? Bei der Ersten jedes Debitors? Bei Änderung der Bankverbindung des Creditors? Bei Änderung der Bankverbindung eines Debitors?

Wir leiten das Ganze vom Mandat ab.
Das Mandat bildet die Rechtsgrundlage, dafür, das die Lastschriften eingezogen werden dürfen.
Wenn das erstemal auf Grundlage des Mandats eingezogen wird, ist der SeqTP=FRST, die folgenen dann RCUR

Wenn sich die Bankverbindung des Debtors ändert, ist auch ein neues Mandat fällig. Der SeqTp ist also bei der Ersten wieder FRST.
Bei einer Core Lastschrift ist das vermutlich nicht ganz so problematisch, da die Bank nicht prüfen muss. Bei der B2B müsste der falsche Sequenztyp auffallen, da die Bank prüfen muss, ob abgebucht werden darf und bei einer neuen Bankverbindung muss diese Bank auch ein anderes Mandat vorliegen haben. Ob das die Bank so eng sieht, wenn sie weiß, dass der Kunde jetzt von deren Konto einziehen lässt, ist eine andere Sache. Da die SEPA Lastschrift für alle Neuland ist, werden sich viele Dinge wohl erst mit der Zeit klar regeln.

Viele Grüße

Holger
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Re: SEPA Lastschrift Format

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Gepostet: 07.03.2011 - 11:38 Uhr  ·  #5
Hi Holger,

Zitat geschrieben von Holger Fischer
Natürlich kannst Du unterschiedliche Fälligkeiten in eigene PmtInfs stecken und in einer Pain versenden. Hier muss die Software nur sicherstellen, dass wenn z.B. eine FRST CORE dabei ist, dass die ganze Pain 5+Vorlaufzeit anstelle von 2+Vorlaufzeit versendet werden muss.


In meinem Anwendungsfall stelle ich mir das so vor:
An jedem Monatsersten werden die Rechnungen erstellt und je eine SEPA Lastschriftdatei für CORE und B2B, da es beide Arten geben kann. Die Rechnungen werden am gleichen Tag an die Kunden verschickt. Auf den Rechnungen mit FRST steht in etwa "Betrag wird am 06. eingezogen", auf den Rechnungen mit RCUR steht "Betrag wird am 03. eingezogen". In der SEPA Datei gibt es einen PmtInf Block für die FRST-Lastschriften mit ReqdClltnDt = 06. und einen PmtInf Block für die RCUR mit ReqdClltnDt = 03. Die SEPA Datei wird auch am 01. versendet. Sollte dies nicht im Prinzip so funktionieren? Vielleicht muss man das Fälligkeitsdatum wegen Vorlaufzeiten noch 1-2 Tage in die Zukunft verlegen. Aber sonst?

Zitat geschrieben von Holger Fischer
Wenn sich die Bankverbindung des Debtors ändert, ist auch ein neues Mandat fällig.

Bedeutet das auch neue Mandatsreferenz und Mandatsdatum?

Zitat geschrieben von Holger Fischer
Da die SEPA Lastschrift für alle Neuland ist, werden sich viele Dinge wohl erst mit der Zeit klar regeln.

Das glaube ich auch. :roll:

Viele Grüße
Ralph
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Re: SEPA Lastschrift Format

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Gepostet: 07.03.2011 - 15:00 Uhr  ·  #6
Hi Ralph

Zitat geschrieben von rt
Hi Holger,

Zitat geschrieben von Holger Fischer
Natürlich kannst Du unterschiedliche Fälligkeiten in eigene PmtInfs stecken und in einer Pain versenden. Hier muss die Software nur sicherstellen, dass wenn z.B. eine FRST CORE dabei ist, dass die ganze Pain 5+Vorlaufzeit anstelle von 2+Vorlaufzeit versendet werden muss.


In meinem Anwendungsfall stelle ich mir das so vor:
An jedem Monatsersten werden die Rechnungen erstellt und je eine SEPA Lastschriftdatei für CORE und B2B, da es beide Arten geben kann. Die Rechnungen werden am gleichen Tag an die Kunden verschickt. Auf den Rechnungen mit FRST steht in etwa "Betrag wird am 06. eingezogen", auf den Rechnungen mit RCUR steht "Betrag wird am 03. eingezogen". In der SEPA Datei gibt es einen PmtInf Block für die FRST-Lastschriften mit ReqdClltnDt = 06. und einen PmtInf Block für die RCUR mit ReqdClltnDt = 03. Die SEPA Datei wird auch am 01. versendet. Sollte dies nicht im Prinzip so funktionieren? Vielleicht muss man das Fälligkeitsdatum wegen Vorlaufzeiten noch 1-2 Tage in die Zukunft verlegen. Aber sonst?

so sollte es gehen. Die Einschränkung mit der eigenen Pain galt nur für den Fall, dass Du es nicht so handeln kannst, wie Du es hier beschrieben hast.


Zitat geschrieben von rt

Zitat geschrieben von Holger Fischer
Wenn sich die Bankverbindung des Debtors ändert, ist auch ein neues Mandat fällig.

Bedeutet das auch neue Mandatsreferenz und Mandatsdatum?

Die Mandatsrefernez bestimmst Du selber, bleibt also Dir überlassen. Das Manatsdatum beschreibt eigentlich wann das Mandat erstellt wurde. Wenn ich das Mandat prüfen würde, würde ich es ablehnen, wenn die Lastschriften bei einem neuen Kunden abgebucht werden sollen und das Mandat (in dem ja die Bankverbindungen enthalten sind) bereits ein oder zwei Jahre alt sein soll... 😉

Viele Grüße

Holger
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Re: SEPA Lastschrift Format

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Gepostet: 10.03.2011 - 10:54 Uhr  ·  #7
Hi Holger,

vielen Dank nochmal. Du hast mir ein ganzes Stück weiter geholfen.

Viele Grüße,
Ralph
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Re: SEPA Lastschrift Format

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Gepostet: 10.03.2011 - 21:25 Uhr  ·  #8
Hi Ralph,
gerne! Ich finde jede neue Fragestellung rund um das Thema spannend! Insbesondere wenn es Fragen aus der Praxis sind. Hilft auch meinem eigenen Verständnis ungemein!

Viele Grüße

Holger
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